Den Reichtum in sich tragen

„Was ist echte Armut?“ höre ich oft, und: „Arm sind Menschen in Afrika, nicht bei uns“. Damit wird eine Kluft zwischen dem Süden und dem Norden geschaffen, zwischen „wirklich“ Arm und „eigentlich“ Reich, eine Kluft, die geradezu unüberbrückbar scheint.

Ob es so ist, ist eine Frage der Perspektive. In mancher Hinsicht ist die Lage der Armutsbetroffenen unabhängig der geografischen Region ähnlich. Denn arm ist, wer nicht genug hat, um ein würdiges Leben zu führen – und dazu gehört nicht nur Geld, dazu gehören auch Perspektiven. Wer keine Wahl hat und keine Chance, sein Leben selbstbestimmt zu gestalten, hat keine Perspektiven.

Wie schafft man Perspektiven? Ich meine: durch und dank Bildung. Denn Bildung ist mehr als blosser Erwerb von verwertbaren Fertigkeiten. Bildung ermöglicht uns die Entwicklung von neuen Fähigkeiten. Bildung bedeutet Reichtum, weil sie eine Wahl ermöglicht. Es ist ein Reichtum, den wir in uns tragen.

Bildung für alle
Doch gerade der Zugang zu Bildung ist nicht für alle gleichermassen gewährleistet – auch in der Schweiz nicht. Kinder aus sozial benachteiligten Familien nehmen seltener Bildungsangebote wahr, Jugendliche, die durch die Maschen des Bildungssystems fallen, haben es unendlich viel schwerer, sich diesen Zugang wieder zu schaffen, gering Qualifizierten wird die berufliche Weiterbildung viel seltener bezahlt.

Caritas fordert deswegen, dass der Zugang zu Bildung für alle, unabhängig von Alter, Herkunft und finanziellen Ressourcen, gewährleistet wird. Konkret empfiehlt Caritas:

  • die Frühförderung zu verbessern
  • die Elternarbeit zu stärken
  • den Illetrismus zu bekämpfen
  • die Berufsbildung zu sichern
  • Die Nachholbildung und Weiterbildung für benachteiligte Personen zu ermöglichen

Bildung ist einer unserer thematischen Schwerpunkte im Jahr 2013. Soeben ist der neue Sozialalmanach 2013 mit dem Fokus „Bildung gegen Armut“ erschienen. Zudem diskutieren am Caritas Forum am 25. Januar 2013 in Bern Experten und Interessierte über sozial gerechte Bildungspolitik. Weitere Informationen: www.gegen-armut.ch.

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3 Kommentare

  • Ursi
    Reply Ursi 16. Januar 2013 at 10:59

    Danke für den Artikel mit Fokus auf die Benachteiligten. Gut Argumentiert, das leuchtet ein. Bildung für alle – funktioniert auch mit Fokus auf die „Bevorzugten“. Um den erreichten Wohlstand zu erhalten brauchen wir – so lange die soziale Sicherheit an die Erwerbsarbeit gekoppelt ist – eine blühende Wirtschaft. Damit die Wirtschaft blüht brauchen wir hervorragende Produkte zu guten Preisen. Um Hervorragendes zu leisten brauchen wir hervorragende Köpfe, Hände und Herzen. Schaffen wir also attraktive „Bildungsgärten“, in denen Menschen gedeihen, die viel wissen, sozial kompetent sind und ethisch verantwortungsvoll handeln wollen. Zutritt für alle!

  • Reply Iwona Swietlik 21. Januar 2013 at 17:35

    „Bildungsgärten“: ein hübsches Wort. Hoffentlich sind es mehr Wiesen als Gärten, also ohne Zaun.

  • Reply Iwona Swietlik 21. Januar 2013 at 17:35

    „Bildungsgärten“: ein hübsches Wort. Hoffentlich sind es mehr Wiesen als Gärten, also ohne Zaun.

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