Undankbare Verdankungen?

Wenn eine gute Seele der Caritas Zürich Geld spendet, erhält er oder sie einen Dankesbrief von uns. Das ist richtig so. Doch im Couvert steckt ein Einzahlungsschein. Eine Frechheit, finde ich – bis ich aufgeklärt werde.

Gerade eben tat ich es zwei Stunden lang. Schon gestern. Und morgen bestimmt nochmals. Ich nehme ein Couvert, stecke einen Brief hinein. Und einen Einzahlungsschein. Mit letzterem stand ich auf Kriegsfuss. Jetzt aber schön der Reihe nach: Ich arbeite seit einigen Monaten am Empfang der Caritas Zürich. Meine Aufgaben sind vielfältig, unter anderem gehört das Versenden von Dankesschreiben dazu. Was damit gemeint ist? Am besten, ich mache Ihnen ein Beispiel.

Zum Dank ein Einzahlungsschein
Sie erhalten ein Mailing von uns mit der Bitte, für ein Projekt der Caritas zu spenden. Sie denken: „Eine gute Sache!“ und überweisen mit dem beigelegten Einzahlungsschein 80 Franken. Das Geld trifft in unserer Buchhaltung ein und wird dem entsprechenden Projekt gutgeschrieben. Nun erhalten Sie einen Brief, worin wir uns bei Ihnen für die 80 Franken bedanken. Und um eben diesen Brief geht es mir: Ich stecke ihn also in ein Couvert. Zusammen mit einem neuen Einzahlungsschein! Nun meine Frage an Sie: Möchten Sie in einem solchen Dankesbrief einen rosa Einzahlungsschein finden? Ich nicht! Als ich mich das erste Mal ans Einpacken machen sollte, marschierte ich schnurstracks zur verantwortlichen Person in unserem Betrieb und entrüstete mich lauthals.

Denn jeder Franken zählt
Die zuständige Person hörte mir geduldig zu. Als ich nach Luft schnappte, nannte sie mir einen fünfstelligen Betrag. So viele Franken würden gute Seelen mit dem Einzahlungsschein spenden, der dem Dankesschreiben beiliegt. Zudem seien diese Spenden nicht zweckgebunden und damit überlebenswichtig für Projekte wie dieses, welche nicht genug Spenden erhalten. Und zu guter Letzt sei das Dankesschreiben eine sehr effiziente Form der Spendengewinnung, weil es ohne Fotografen, Texter und Grafiker auskomme. Das hat mich überzeugt. Zurück an meinem Arbeitsplatz packte ich weitere Einzahlungsscheine in die Couverts – diesmal mit gutem Gefühl!

PS: Falls auch Sie zur überzeugten Unterstützerin werden möchten, schicke ich Ihnen gerne einen Einzahlungsschein. Und natürlich können Sie mir an dieser Stelle sagen, wie Sie zu Einzahlungsscheinen und Dankesschreiben stehen.

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